20. März 2025
Wie stärke ich Team-Identität und -Zusammenhalt?

Gut funktionierende Teams bieten ihren Mitgliedern auch eine soziale Heimat – sie identifizieren sich mit dem Team und fühlen sich wirklich zugehörig. Zugehörigkeit ist der unsichtbare Faden, der ein Team zusammenhält und Vertrauen, Teamwork und letztlich Erfolg fördert. Und Zugehörigkeit entsteht nicht zufällig.
Als Moderierende und Coaches sind wir Bindungs-Architekten: Wir schaffen sichere Räume, in denen sich alle Beteiligten gesehen und angenommen fühlen und sich so als Teil von etwas empfinden können, das größer ist als sie selbst. Diese Räume können wir nutzen, um Zugehörigkeit zu stärken.
Zugehörigkeit gestalten
Zugehörigkeit ist kein mystisches Phänomen. Sie ist ein bewusster, absichtlicher Prozess. Es geht darum, ein gemeinsames Verständnis dafür zu schaffen, wer wir als Einzelpersonen und wer wir als Team sind, was wir schätzen und wie wir zusammenarbeiten wollen. Dazu gehört es, unsere Unterschiede zu kennen, sie auszuhalten und möglichst produktiv zu nutzen. Das gemeinsame Team-Ziel, das meist von außen vorgegeben wird, wird mit einer solchen Ausgangslage leichter angenommen und verinnerlicht.
Doch wie können Sie Zugehörigkeit praktisch gestalten und damit Team-Identität und –Zusammenhalt stärken?
Lernen Sie sich wirklich kennen
Fördern Sie, dass sich die Team-Mitglieder kennenlernen, vor allem über die alltäglichen arbeitsbezogenen Themen hinaus. Um mich zu entscheiden, ob ich einer Gruppe zugehören möchte (über das Arbeitsvertragliche hinaus), muss ich ein klares Gefühl dafür entwickeln, mit wem ich es zu tun habe.
Dafür braucht es keine Nabelschau oder einen “Seelen-Striptease”. Ganz im Gegenteil: Privatheit ist wichtig und muss gewahrt bleiben können. Es sind die einzelnen Team-Mitglieder selbst, die entscheiden, wann und in welchem Maß sie sich den anderen öffnen. Als Coach oder Führungskraft sind Sie hier gefragt, um das Kennenlernen mit dem passenden methodischen Vorgehen und moderierendem Fingerspitzengefühl zu fördern.
Eine meiner Lieblingstechniken dafür funktioniert so:
- Die Team-Mitglieder organisieren sich in 2er-Gruppen und benennen jeweils eine Person mit “A” und eine mit “B”.
- A stellt eine vorgegebene Frage, die B beantwortet, beispielsweise: “Was war in deiner beruflichen Laufbahn dein stolzester Moment und warum?”. A darf dabei lediglich zuhören und nachfragen.
- Nach 7 Minuten wechseln die Rollen und B stellt A eine neue vorgegebene Frage, beispielsweise: “Wem bist du in deiner beruflichen Entwicklung besonders dankbar und warum?”. Auch hier darf B nur zuhören und nachfragen.
- Nach 7 Minuten kommt das ganze Team wieder zusammen und teilt kurz und reihum eine Erkenntnis, eine Überraschung oder ein Learning.
Der Erfolg der Methode hängt stark von den Fragen ab, die Sie den Team-Mitgliedern vorgeben. Sie müssen eine entsprechende Tiefe besitzen, damit sich die Beteiligten öffnen, dürfen dabei allerdings nie zu persönlich oder intim werden, sodass sich die Teilnehmenden bedrängt fühlen könnten. Meiner Erfahrung nach ist es ratsam, die Fragen immer auf einen beruflichen Kontext zu beziehen.
Einheiten zum Kennenlernen untereinander sollten regelmäßig eingesetzt werden, nicht nur bei der Teamgründung. Menschen verändern sich, verschieben Prioritäten und lernen dazu. In gewissem Rahmen sollten die Team-Mitglieder solche Entwicklungen voneinander erfahren können, um als Team selbstregulatorisch darauf reagieren zu können.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede nutzen
Gemeinsamkeiten binden Menschen leicht zusammen. Unterschiede hingegen – in Bezug auf Hintergründe, Interessen, Sichtweisen und Arbeitsstile - können ein Gefühl von Zugehörigkeit herausfordern. Von außen betrachtet sind diese Unterschiede in Perspektiven, Kompetenzen und Stärken eine der größten Vorteile von Teamarbeit. Aus Innenperspektive sieht man diese Vielfalt an Interessen manchmal allerdings eher als Anstrengung und Hindernis.
Damit das Team die Unterschiedlichkeit seiner Mitglieder produktiv nutzen kann, müssen sie zunächst erkannt sein. Auch dafür gilt das gegenseitige Kennenlernen, wie oben beschrieben. Als Coach oder Führungskraft ist es dann Ihre Aufgabe, dem Team dabei zu helfen, die Vielfalt entweder direkt produktiv zu nutzen oder sie zunächst zumindest aushalten zu können, sodass sie Zugehörigkeit und Teamproduktivität nicht im Weg steht. Für Teams die Vielfalt tolerieren können, ist es in der Regel ein kleiner Schritt, diese Vielfalt auch produktiv zu nutzen.
Konsequentes Begleiten
Teams sind lebende Gebilde, bestehend aus lebendigen, sich potenziell ständig verändernden Individuen. Deshalb sollten Sie sich auch nicht darauf verlassen, dass ein einmal erreichter Zustand von Team-Identität und -Zusammenhalt auch ohne Weiteres beibehalten bleibt.
Es kann Jahre dauern, bis sich ein Team vollständig selbst regulieren kann, wenn es überhaupt gelingt. Daher profitieren Teams von einer konsequenten, wertschätzenden und fehlerfreundlichen Begleitung, die darauf hinwirkt, dass ein starker Zusammenhalt entsteht und stabil bleibt, ganz im Sinne des zu erreichenden Ziels.
Welche Strategien haben Sie, um die Identität und Zugehörigkeit in Ihren Teams zu fördern?